Verflucht sei, wer nach falschem Rat
Mit überfrechem Mut
Das, was der Korse-Franke tat,
Nun als ein Deutscher tut!
Er fühle sp?t, er fühle früh,
Es sei ein dauernd Recht;
Ihm geh’es tratz Gewald und Müh’,
Ihm und den Seinen,schlecht!'' (Goethe, Epimenides)
" Ich sage dir, es ist nichts Heiliges, was nicht entheiligt,
nicht zum ?rmlichen Behelf herabgewürdigt ist bei diesem Volk, und was selbst unter Wilden g?ttlich rein sich erh?lt, das treiben diese allberechnenden Barbaren, wie man so ein Handwerk treibt..." (H?lderlin, Hyperion)
" Alle gro?en Kulturverbrechen von vier Jahhunderten haben sie auf dem Gewissen!... Und immer aus dem gleichen Grunde, aus ihrer innerlichsten Feigheit vor der Realit?t, die auch die Feigheit vor der Wahrheit ist, aus ihrer bei ihrem bei ihnen Instinkt gewordenen Unwahrhaftigkeit, aus 'Idealismus.'
(Nietzsche, Ecce home)
So haben Goethe, H?lderlin, Nitzsche den Deutschen geflucht, nicht etwa in einem gelegentlichen Ausbruch des Unmuts, sondern an wohldurchdachten, entscheidenden Stellen ihres Werkes. Eine derartige Verdammung des eigenen Volkes durch seine Gr??ten scheint ihre Beispiel in der Geschichte. Man mü?te denn bis auf Dantes Fluch gegen Italien zurückgehen, um auch nur ann?hernd ?hnliches zu finden. Auf diese furchtbaren Anklagen folgt kein Echo. Goethe verbirgt sich unter dem Eispanzer der Resignation;H?lderlin und Nietzsche sinken in die Nacht des Wahnsinns.
Von der anderen Seite her:Friedrich der Gro?e schreibt sein Pamphlet gegen die deutsche Literatur, das war damals Klopstock, Lessing, Wieland, Herder, Goethe, der junge Schiller. Bismarck wu?te von Schopenhauer nur, dass er ein unangenehmer Tischgenosse war, wenn sie beide im "Schwanen" zu Frankfurt tafelten, für Richard Wagner hatte der Kanzler kein Verst?ndnis, von Nietzsche kannte er noch nicht einmal den Namen, und über H?lderlins Hyperion wurde in der Familie Bismarck gelacht. Schiller und Wagner konnten popul?r werden, aber nicht gerade durch das, was wirklich gro? an ihnen war. Goethe wurde als Marmorfigur kanonisiert und bis ans Ende des 19. Jahrhunderts mi?verstanden. Die anderen gro?en Denker, Dichter, künstler blieben kalt bestaunt oder mi?trauisch be?ugt und wurden, wenn sie lange tot waren, bestenfalls Respektpersonen. Ausnahme sind nur die Musiker.
Dieses Mi?verh?ltnis zwischen Denkern, Dichtern, künstlern auf der einen, den Politikern und dem Volk auf der anderen Seite - ohne Beispiel in jedem anderen Volke - gilt nicht nur für die Gr??ten.
Vergebens hat Goethe seinen Fluch über Militarismus und Nationalismus ausgesprochen. Vergebens hat er vor dem "barbarischen Zeitalter" gewarnt, das nach seinem Tode kommen werde. Die einzige Wirkung war, dass Goethe selbst bis auf den heutigen Tag für "unnational" gilt bei den Ewiggestrigen. Das deutsche Volk in seiner Masse hat sich von jeher den reinen Verwaltungsmenschen und Gesch?ftspolitikern und den sturen Gewalthabern unterworfen. Alle, die in Deutschland wirklich geistig-sch?pferisch arbeiten und nicht blo? mit scheinwissenschaftlichen Wahrheitn oder abgestorbner Kunst sich qu?len, sind stets ohne Macht gewesen, mit einziger AUsnahme der Musiker, die aber -von Richard Wagner abgesehen - auf die Macht keinen Wert gelegt haben. Die SUcht, jede Missachtung oder Vernachl?ssigung geistiger Dinge, ja: den Mangel geistiger oder künstlerischer Tradition zu bem?nteln, ist in Deutschland zu einem System raffinierter Verlogenheit ausgebildet. Was hat man nicht alles getan, um Friedrich Wilhelms.